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Region Elbekirchentag: Keine Stimme pro Elbvertiefung
Zischen als Zeichen des Missfallens war zu hören, als das Publikum in der Hitzackeraner Johanniskirche am Sonntagnachmittag erfuhr: Der einzige Befürworter des Elbeausbaus, der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, hatte sein Erscheinen beim Elbe-Kirchentag abgesagt.
Viele umweltpolitisch Engagierte kamenEin Streitgespräch, wie es wohl viele in der Kirche erwartet hatten, gab es also nicht. Die zwei Diskussions-Stunden beschränkten sich auf Statements gegen den Ausbau der Elbe - mit deren Vertiefung auf mindestens 1,60 Meter im Interesse des Schiffsverkehrs - und für den Erhalt der Elb-Natur. Ergänzt wurden die Podiums-Beiträge durch Fragen und zustimmende Kommentare aus dem Publikum, in dem viele umweltpolitisch engagierte Menschen zu sehen waren, unter ihnen der hiesige Landtagsabgeordnete Kurt Herzog (Die LINKE). Als Moderator agierte Dr. Hans-Joachim Döring, Beauftragter für Umwelt und Entwicklung der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland. BUND-Bundesvorsitzender: Fehler am Fluss behebenProfessor Dr. Hubert Weiger, Bundesvorsitzender des Bundes für Natur und Umwelt (BUND), gab zu bedenken, wie arm Deutschland mittlerweile an frei fließenden Flüssen sei. Diese Freiheit genieße die Elbe noch über mehrere 100 Kilometer; dadurch seien hochwertige Lebensräume an diesem Strom erhalten geblieben, über 220 Schutzgebiete gebe es an seinen Ufern. Eine Vertiefung würde schwere Eingriffe in die Natur zur Folge haben, warnte Weiger. Es bestehe die „historische Chance“, Fehler auszuräumen, die an der Elbe begangen worden seien. Das heiße auch: Deich-Rückbau, wo keine Siedlungen betroffen sind. Klima-Experte: Elbe immer weniger für Schifffahrt geeignetProfessor Dr. Manfred Stock vom Institut für Klimaforschung in Potsdam prognostizierte: Es werde immer wärmer, woraus eine stärkere Wasserverdunstung resultiere – und der Regen im Sommer gehe zurück. Folge: Niedrigwasser in der Elbe, die dadurch immer weniger für die Schifffahrt geeignet sei. Grünen-Abgeordneter: Zukunft liegt im sanften TourismusDurch so genannte laufende Unterhaltungsmaßnahmen in der Elbe, so ergänzte der Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn (Bündnis 90/Die Grünen), sei die Schifffahrt in der Elbe künftig nicht mehr zu gewährleisten. Kühn, er ist Mitglied der parteiübergreifenden parlamentarischen „Gruppe frei fließende Flüsse“, erinnerte daran, dass Staatssekretär Ferlemann unlängst erklärt habe: Wenn die Schiffsverkehr auf der Elbe durch die laufende Unterhaltung nicht mehr gesichert sei, müsse der Fluss vertieft werden. Dabei werde nicht bedacht, so Kühn, dass von den Gütern, die auf den deutschen Wasserstraßen transportiert werden, gerade mal 1,63 Prozent den Weg auf der Elbe nehmen. Es sei unrealistisch, mit einer Zunahme dieses Verkehrs zu rechnen. Die Zukunft der Elbe liege vielmehr in ihrer Bedeutung für Natur und Erholung, für sanften Tourismus in der Region. „Das wiederum bringt Arbeitsplätze“, unterstrich der Abgeordnete. Er regte weiter an, über die Rückstufung der Elbe von ihrem derzeitigen Status als Bundeswasserstraße nachzudenken. Dieser Schritt würde Geld einsparen, das für sinnvolle ökologische Maßnahmen in puncto Fluss eingesetzt werden könnte. Bundesrechnungshof überprüft WasserbehördenMit Interesse und Zustimmung wurde von den Anwesenden Kühns Mitteilung aufgenommen, der Bundesrechnungshof sei beauftragt worden, Wasser- und Schifffahrtsbehörden auf ihre Ausgaben für die Unterhaltung des Flusses hin zu überprüfen. Dabei werde auch untersucht, ob es sich bei den kostenträchtigen Arbeiten wirklich nur um Unterhaltungs- oder schon um Ausbaumaßnahmen oder ähnliche Schritte handele. Professor Weiger vom BUND bemerkte hierzu, das Personal der Wasser- und Schifffahrtsdirektionen könne den vorhandenen Sachverstand sehr gut einsetzen: Und zwar nicht in Sachen Elbvertiefung, sondern beim Schaffen eines ökologischen Hochwasserschutzes und beim Beheben der Schäden, die staatlicherseits bislang an der Elbe angerichtet worden seien. Gesamtkonzept für die Elbe gewünscht„Nehmen sie mit, dass wir dieses Kleinod erhalten wollen“, rief Hitzackers Museumsleiter Klaus Lehmann gegen Ende der Veranstaltung den Gästen auf dem Podium zu. Namens einer Arbeitsgruppe des Elbe-Kirchentags verteilte Lehmann sodann einen Forderungskatalog, in dem es unter anderem heißt: Die deutsche Bundesregierung soll ein Elbe-Gesamtkonzept mit allen Interessengruppen und den Nachbarländern erarbeiten, wie es bereits seit Jahren versprochen und von Umweltverbänden und Kirche gefordert wird. Der weitere Text des Forderungskatalogs:
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Der für Ferlemann gedachte Stuhl auf dem Podium blieb stehen – leer. Den etwa 100 Interessierten im Gotteshaus berichtete „Publikums-Anwalt“ Propst Stephan Wichert-von Holten, wie der Staatssekretär sein Fernbleiben begründet hatte: Enak Ferlemann hätte gern ein bisschen früher gewusst, wer denn außer ihm im Podium sitzen werde, und: Er, Ferlemann, oder Verkehrsminister Peter Ramsauer selbst würden in Kürze ein Gespräch mit „einer Organisation“ in puncto Elbe führen – und diesem Gespräch solle nicht durch einen öffentlichen Auftritt vorgegriffen werden.

