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Trecker in Splietau: Die meisten wurden weggefahren

Ein großes Polizeiaufgebot rückte am Sonntagmorgen gegen 9 Uhr in Splietau an, sperrte ruck, zuck die Landesstraße den ganzen Ort hindurch ab - die Räumung der blockierenden Traktoren stand bevor. Doch sie wurden bis auf zwölf innerhalb kurzer Zeit von den Traktoristen selbst weggefahren.

 

Ganz und gar entspannt, ganz friedlich verlief die "Räumung". Offenbar hatte die Polizei mit einer anderen Entwicklung gerechnet, denn: Behelmte Beamtinnen und Beamte im Einsatzanzug rückten an, ließen niemanden in die Nähe der Fahrbahn kommen, sperrten sogar die Fußwege ab. Auch Medienvertretern, darunter mehreren Fernsehteams, wurde der Zugang zu den Einsatzstellen strikt verwehrt.

Selbst zwei freundliche Pressesprecher der Polizei konnten den zuständigen Zugführer nicht erweichen, die Journalisten zum Erfüllen ihres Auftrages vorzulassen. Erst nach einem Telefonat mit der Gesamt-Einsatzleitung und dem Gespräch mit zwei hochrangigen in Splietau anwesenden Kollegen - einem Leitenden Polizeidirektor und einem Polizei-Oberrat - durfte das Presse-Team die Berichterstatter und Kameraleute zum Räumungs-Geschehen begleiten.

Hochrangige Beamte vor Ort

Hatte die Polizeiführung mit einem derart spektakulären Einsatz gerechnet, dass leitende Beamte des höheren Dienstes vor Ort erschienen und dass eine solch massive Absperrung angeordnet worden war? Absolut gar nichts war spektakulär. Über die Kennzeichen hatte die Polizei die Halter der Traktoren ermittelt und diese telefonisch gebeten, die Trecker selbst wegzufahren. Und so geschah es. Die meisten der informierten Landwirte kamen, setzten sich auf ihre Zugmaschinen - und tuckerten davon. Zuvor gabs da und dort noch einen kurzen Plausch mit Polizisten, ein Mitglied der Bäuerlichen Notgemeinschaft beispielsweise erläuterte den Beamten, die an seinem Trecker standen, welche Sorgen - nicht nur - die Landwirte mit Blick auf die atomaren Anlagen in Gorleben und die Castoren-Trasporte belasten.

Polizei will selbst Trecker fahren

Zur Stunde - um 11 Uhr - bemüht sich die Polizei, die noch verbliebenen Traktoren selbst wegzufahren. "Wir haben Spezialisten, die das können", war von einem Polizisten zu hören. Von den vielen Einsatzkräften, die die Straße abgeriegelt hatten, sind einige noch vor Ort, damit niemand den Treckern zu nahe kommt. Doch nur aus dem nahe gelegenen Camp und aus dem Dorf sind wenige Interessierte gekommen, die das Geschehen nun vom Fußweg aus beobachten.

Foto: Hagen Jung / Gleich wird der Traktor weggefahren - von einem Landwirt, den die Polizei zuvor angerufen hatte.




2010-11-07 ; von Hagen Jung (autor),

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