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Dezember 1999/Januar 2000 |
Helmut Koch war bei der "Stunkparade" in Berlin dabei
Der Anfang vom Neuanfang
![]() Unter den Linden" ist eine breite Straße: Repräsentationsgebäude, Touristen. Blinkende Lichter an Videokameras. "No Nuke? Its allright!" Klickende Nikons, surrende Canons. "Wat wolln dien hia?" "Goalehm? Ach so, det mitm Kastoa. Aba kommt doch jetzt jar keena." Blanke Kinderaugen. "Papppaaa, kiek ma, Treckkkaaa!" Und Papa zu Mama: "Warum die nich einfach nur jejen Schröda maschiean, da wär hier allet voll!" Eigentlich wars eine schöne Demo. Besonders für einen alten Berliner wie mich war es fast ergreifend, durchs Brandenburger Tor zu demonstrieren. Auch waren mehr da, als man erwarten konnte. Und doch: Waren die 6000 dem Kraftakt der Organisation entsprechend? Zumindest eines hat die "Stunkparade" gezeigt: Seit dem Hannover-Treck sind wir nicht nur 20 Jahre älter geworden, es hat sich auch sonst viel geändert. Das Thema "Atomkraft", die Bewegung, sie sind zur Zeit nicht "im Aufbruch". Und Berlin ist groß, viel größer als Hannover - und viel mehr gewohnt. Wer um die Siegessäule demonstriert, der muß sich - ob er will oder nicht - dem Vergleich mit der "Love-Parade" stellen. Die Strecke zwischen Ernst-Reuter-Platz und Brandenburger Tor - Pracht- und Paradefläche deutscher Rei-che - konnte früher selbst von der Militärparade der Alliierten nur schwer gefüllt werden. Eine "Stunkparade" sollte es sein. Nur war da kein Stunk. Es fehlte der Dampf auf dem Kessel. Ohne die unermüdlichen Samba-Trommler und Triller-Pfeifer wäre es ein Trauermarsch geworden. Und das liegt nicht nur an der Bewegung. Denn die hat es schwer, angesichts einer informationsmäßig bis zum Platzen überfütterten Republik. Was ist heute noch Neues zum Thema zu sagen? Das wird auch deutlich, wenn man den dreiviertelsei-tigen Artikel "Undine von Blottnitz, Bäuerin, Wendland" in der "Berliner Zeitung" gelesen hat - hätte da nicht wenigstens etwas mehr Lust oder Kämpferisches drinstehen können? Die vielen Kids waren daran uninteressiert. Aber sie waren da! Wer nicht da war - klar: die Bundesgrünen. Die hatten bestimmt gerade viel zu viel zu regieren. Ansonsten - nach der endlosen Nebelfahrt - viel Müdigkeit auf den Gesichtern der Bauern, eine schwer einzuschätzende Mischung aus Enttäuschung und zäher Hoffnung. Für den meisten Spaß sorgten noch die beschlagnahmten Bio-Kartoffeln. War das alles notwendig? Ich sage, trotz alledem: Ja, es war notwendig. Und zwar als Anfang, als Anfang für etwas, das wir erst noch aushecken müssen, für Aktionen, die weder Veteranentreffen noch Aufguß alter Herrlichkeit sein sollten. Sich rückblickend selbst zu feiern, geht an allen anderen vorbei. Und das Thema ist derzeit einfach nicht der Reißer und für die Medien nur sehr begrenzt interessant. Deshalb ist es wichtig, jetzt was zu tun. Ich weiß erst mal auch nicht, was. Aber die Fähigkeiten des wendländischen Widerstands waren schon immer Kreativität und Zähigkeit. |
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