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Dezember 1999/Januar 2000 |
Little Tony
von Katja Henze
Leuchtend grüne Weiden bis zum Horizont, durchzogen von schnurgeraden Straßen mit parallel laufenden Entwässerungsgräben, mitten drin ein einsames Haus samt Schuppen und obligatorischem Mercedes Diesel. Der nächste Nachbar auf Sicht- nicht aber Rufweite. Die im Vorgarten akkurat plazierten Gartenzwerge deuten den Wahnsinn an, der in der Idylle lauert und nur auf den richtigen Moment zum Ausbruch wartet. Brand, der Herr des Hauses, verbringt seine Zeit damit, Bohnen zu pflanzen, im Haus zu werkeln und immer wieder neue Gartenzwerge aufzustellen. Keet geht nicht nur arbeiten und schmeißt den Haushalt, sie muß ihrem Mann auch noch allabendlich die Untertitel der in Holland nicht synchronisierten Filme vorlesen. Denn Brand ist Analphabet, kann aber außer Lesen und Schreiben noch ein paar andere lebenswichtige Dinge nicht, so daß das von Keet heiß ersehnte Baby bislang ausgeblieben ist. Folglich muß nach Keets Ansicht eine Lehrerin her, die bei Brand Lesen und Schreiben, aber auch andere verborgene Talente wecken soll. Die flotte Lena kommt aus der Stadt, fährt keinen Daimler, sondern einen Kleinwagen und sehnt sich nach dem Landleben. Ihr Unterricht ist dann auch in jeder Hinsicht von Erfolg gekrönt - ihre Schwangerschaft und glückliche Niederkunft machen das Zusammenleben der drei jedoch nicht unbedingt einfacher. Alex van Warmerdam (der mit "De Norderlingen" zuletzt einen kleinen Off-Kino-Erfolg hatte) übernimmt in "Little Tony" nicht nur Hauptrolle und Regie, sondern zeichnet auch für Musik, Malerei und Produktion verantwortlich. Mit ganz einfachen Mitteln filmend, spitzt er die Dreiecksgeschichte zu einer wahren Beziehungs-Katastrophe zu, bei der er die Zuschauer (und die Beteiligten) bis zuletzt im Unklaren läßt, was hier eigentlich gespielt und wer von wem manipuliert wird. Bitterböser Psychoterror wechselt mit rasanten, slapstickartigen Einlagen und gallig-absurden Dialogen ab: Wer setzt sich im Kampf um das breitere Bett durch? Gibt es zum Abendessen Preßkopf oder Pferdewürst-chen? Wer stillt den Nachwuchs? Brand, um den es bei all diesen Kämpfen ja eigentlich geht, versucht verzweifelt mitzuspielen, es beiden Frauen recht zu machen - und bleibt doch nur (darüber können seine gelegentlichen Wutausbrüche nicht hinwegtäuschen) passives Objekt ihrer Handlungen und Wünsche. Gezielt wird jeder positive Ausweg verbaut, jede nur irgendwie mögliche Wendung zum Schlimmeren genutzt. Das ist nicht unbedingt Kino, wie es die großen Filmverleihe gerne sehen und verkaufen. Aber der Zuschauer amüsiert sich doch.
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