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Dezember 2002 |
Weniger ist wirklich mehr!
Tach allerseits, verehrte Fans und Feinde, ick bins
bloß, der äußerst sparsame Herr Paul. Der FC Bayern und
dis Modell Deutschland ham derzeit viel jemeinsam: Die Einnahmen brechen
weg, im internationalen Vergleich is keen Blumentopf zu jewinnen, während
die hochbezahlten Akteure sich nur noch im Erfinden von faulen Ausreden
üben. Und jenau wie beim Fußball, wo wir ein Volk von Meistertrainern
sind, wissen natürlich alle, wie besagtes Modell Deutschland zu retten
wäre: Die anderen sollen jefälligst sparen, und zwar bei den
anderen!
Apropos sparen, meiner einer is so ne Art Konsumverwei-gerer
und somit Gift für den Wirtschaftsstandort, für Aufschwung,
Globalisierung und den DAX. Unsre schöne neue Welt funktioniert nun
mal nach dem Prinzip: Darfs ein bißchen mehr sein? Also "braucht
man" den Zweitwagen, diverse schicke Klamotten und ooch Umweltschützer
ihren Kurztrip (Sie haben es sich verdient!) auf die Malediven oder nach
Brasilien. Verchwendung? Aba sicher, nur muß ick zähneknirschend
zujeben, det nich nur ick davon profitiere. Weil so viele ihren janz privaten
Luxus, meist ooch noch uff Pump finanzieren, kann ick von den Schnäppchen,
mit denen diese armen Irren jeködert werden janz preiswert leben.
Und so jeh ick jerne mal essen, leiste mir Bücher und ne
eigene Meinung - allet mit reichlich wenig Knete!
Apropos Knete: Es jeht ein Jespenst um im Ländle,
allüberall klappern die Zähne, Heulen und Wehklagen liegt in
der kühlen Luft, denn: Wenn der Staat und seine Bürger jahrzehntelang
mehr ausje-ben als einnehmen, is irjend-wann Schluß mit lustig.
Dabei wissen vom Bund der Steuerzahler bis zum Stammtischler alle die
einfache Lösung: Die Damen und Herren Sesselpuper in den Amtsstuben,
von denen niemand wirklich weeß, womit sie die Zeit totschlagen,
die offenen und verdeckten Subventionen für Atomstromer, Autobauer,
Arzeneipanscher, Bauern und Bergleute, der EU-Wasserkopf... weg damit!
Denn is jenug Geld für Schulen, Ökobauern und hungernde Kinder
in aller Welt da... denkste! Weil doch an dem janzen teuren Klumpatsch
nich bloß böse Bosse verdienen, sondern die Jobs von jeder
Menge kleener Leute dranhängen. Und wenn die tatsächlich ooch
noch arbeitslos würden... dis wär wirklich teuer!
Werte Fans und Feinde, es fehlt ja nich am Jelde: Unsa
Bildungswesen rangiert zwar im Weltmaßstab unter ferner liefen,
aba unsere Lehrer- und Professorengehälter sind einsame Spitze! Een
Je-sundheitswesen, dis jährlich 40 Milliarden verballert, is ooch
nich unterfinanziert! Der Topf für Sozialausgaben is riesig und voll
- nur muß irjendwat schief jeloofen sein, wenn es janze Stadtteile
jibt, wo die Leute sich seit Generationen übahaupt nich mehr vorstellen
können, von wat anderem zu leben als von Sozialhilfe.
Dis unanständige Wort Umverteilung heißt
für mir: Darf es janz weit oben nich ooch een bißchen weniger
sein? Und darf man für Sozialhilfe plus anjemessene Prämie nich
wenigstens stundenweise einer nützlichen Tätigkeit nachgehen?
Apropos nützlich: Computer sind ja so wat von nützlich,
also hat einer im fernen Amerika an seinem jespielt und festjestellt,
dis seine Kapitalrendite nich so janz den Erwartungen... und deshalb solln
bei der SKF schlappe 250 Stellen wegfallen. Nee, lieber Betriebsrat, liebe
Jewerkschaft, dis System (früher hieß det Kapitalismus) macht
keene Fehler, es ist der Fehler! Also is et, jeschätzte Damen und
Herren tatsächlich Zeit, mal wieda die Systemfrage zu stellen, und
zwar nich bloß denen da oben, sondern uns selba! Und derweil könnte
man ja trotzdem mit dem Sparen anfangen. Ick schlage vor, dis alle, die
in diesem Staat jewählte Verantwor-tungsträger sind, für
diese Legislaturperiode uff 10 % ihrer Diäten verzichten. Ick möchte
wetten, dis die Bürger draußen im Lande sofort mehr Verständnis
für die kommenden Grausamkeiten hätten. Weniger is wirklich
mehr! Und zwar für alle!
Ick meine ja bloß
sacht der Herr Paul |
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